Rückblick auf den 26. September 2024
Verleihung Evangelischer GemeinSinnPreis an Prof. Andreas-Norbert Fay
Das Forum für Engagierte und Stifter*innen 2024 fand am Donnerstag, 26. September, im Stephanienbad in Karlsruhe statt.
Die Stiftung der Evangelischen Landeskirche in Baden und die Stiftung Diakonie Baden würdigten in diesem Jahr Prof. Andreas-Norbert Fay für sein stifterisches Engagement mit der Auszeichnung „Evangelischer GemeinSinnPreis 2024“. Ein Impulsvortrag „Zwischen Tradition und Trend – Lebensstile als Spiegel der Zeit“, praxisnahe Workshops, musikalische Begleitung, Zeit für Begegnungen und ein kulinarischer Ausklang machten den Abend zu einem besonderen Erlebnis.
Landesbischöfin Prof. Dr. Heike Springhart gratuliert zum GemeinSinnPreis 2024
Preisträger GemeinSinnPreis 2024 - Prof. Andreas-Norbert Fay

Prof. Andreas-Norbert Fay
1. Sie sind Kirche so sehr verbunden, dass Sie ihr eine Stiftung gewidmet haben. Woher rühren diese große Verbundenheit mit der (Evangelischen) Kirche bzw. Ihre kirchliche Prägung?
Zunächst einmal aus der Familie. Mein Vorfahren väterlicherseits sind Hugenotten gewesen, also Protestanten die 1572 vor der Verfolgung durch die Katholiken aus Frankreich wohl in ein Deutsches Fürstentum geflohen sind, das Religionsfreiheit gewährte. Wie sich das im Einzelnen abgespielt hat, lässt sich leider nicht mehr genau nachvollziehen. Aber der Familienname stammt aus Frankreich und es gibt drei Regionen in Deutschland in denen er öfter, wenn auch nicht häufig vorkommt. Unter anderem in Hessen, nördlich von Frankfurt am Main. Meine Großmutter war sehr bemüht die Familiengeschichte zu rekapitulieren, die sich genealogisch allerdings nur bis ins 18 Jahrhundert gesichert zurückverfolgen ließ.
Dieser Ursprung war in meiner Familie in meiner Kindheit ein präsentes Thema. Sicher auch wegen der Verfolgung von Juden in Deutschland in jüngerer Geschichte. Von der meine Familie leider auch am Rande betroffen war, weil einer meiner Urgroßväter Jude gewesen ist. Zwei Brüder meines Großvaters sind deshalb zu Beginn des Dritten Reichs auch aus Deutschland ausgewandert. Und wegen der zahlreichen Verbindungen zu jüdischen Familien sind meine Großeltern von Frankfurt am Main nach Mannheim umgezogen.
Christlicher Glaube wurde zwar formal nicht sehr intensiv praktiziert, aber ich erinnere mich, dass wir während meiner Kindheit neben den Kirchgängen zu den wichtigsten Festtagen, mindestens zwei Mal im Jahr Besuch von unserem Pfarrer zum Kaffee hatten. Und mein Vater und meine Großmutter sich mit ihm mehrere Stunden unterhielten. Und ein Nachgebet vor dem zu Bett gehen war während meiner Kindheit obligatorisch.
Die Kirche oder der Glaube gehörte also schlicht von Anbeginn ganz selbstverständlich dazu und das hat mir immer Orientierung und Halt gegeben.
Daneben hatten wir in Herrn Pfarrer Günther an der Berggemeinde einen sehr besonderen Seelsorger, der mich 1975 konfirmiert hat und mich anschließend mein Leben lang bis zu seiner Pensionierung etwa 2012 begleitet hat. Er hat mich getraut, meine Kinder getauft und uns in Trauerfällen begleitet. Und das stets in einer mir sehr angenehmen und würdevollen Art und Weise.
Erst 2004 habe ich in einem Gespräch mit ihm in seiner Bibliothek erfahren, dass er eigentlich Spezialist für Kirchengeschichte frühchristlicher Kirchen war und wir sozusagen, - ich allerdings auf sehr Laienhaften Niveau, damit ein gemeinsames Interesse haben. Denn Religionsgeschichte hat mich seit der ersten allgemeinwissenschaftlichen Publikation von Herrn Professor Jan Assmann 1997 mit dem Titel Moses der Ägypter sehr interessiert. Und ich habe auch seine nachfolgenden Werke gelesen. Mir ist dabei klar geworden, dass sich Geschichte und Religion oder Kirche im Grunde bis zur Trennung von Staat und Kirche gar nicht isoliert verstehen lassen.
Es gibt also neben der familiär - und persönlich gewachsenen Verbundenheit auch eine quasi objektive Verbundenheit oder Wertschätzung der Institution Kirche aus ihrer historischen Dimension heraus an sich, die sich aber erst später ergeben hat.
2. Welche Auswahlkriterien bestimmen den Stiftungszweck, bzw. wie kam es zu der Entscheidung, welche Projekte gefördert werden sollen?
Zunächst ist es wichtig zu sehen, dass die Auswahl nicht ich treffe, sondern der Stiftungsvorstand im Rahmen des in der Satzung der Stiftung niedergelegten Stiftungszwecks. Der Vorstand besteht aus drei Mitgliedern. Dem amtierenden Pfarrer, einem Mitglied aus dem Ältestenkreis und längstenfalls bis zu meinem Ableben meiner Wenigkeit. Das Gremium wurde bewusst klein gehalten, um den möglichen Verwaltungsaufwand und gegebenenfalls damit einhergehende Kosten so gering wie möglich zu halten. Da ich selbst seit inzwischen bald 17 Jahren nicht mehr in Heidelberg bzw. Schlierbach wohne, sondern im Ausland, habe ich den unmittelbaren Bezug zur Gemeinde zwangsläufig verloren. Das gilt in Besonderem Maße seit der Fusion mit Ziegelhausen zur Matthäusgemeinde.
Mein persönliches Anliegen war die Jugendarbeit von Anfang an. Das begründet sich aus dem Umstand, dass die Prägung von Menschen eben bis zum 18. Lebensjahr im Wesentlichen abgeschlossen ist und Religion oder Ethik im Ausbildungskanon des Schulsystems für mein Empfinden seit längerem zu kurz kommen.
(Daneben geht es immer wieder um Themen, die die Kirche attraktiv machen. Ein wenig „Verkaufen“ gehört m.E. halt auch dazu - wie u.a. Kirchenmusik)
Wenn man Menschen also mit dem christlichen Glauben bzw. christlicher Ethik und der Kirche als Institution erreichen möchte, dann muss man altersbezogen früh damit anfangen. Dann hinterlässt das für den Rest des Lebens auch eine tiefe und nachhaltige Prägung. Das habe ich ja selbst genauso erfahren. Und christliche Grundwerte sind ja wiederrum die Grundlage unserer abendländischen Kultur, die wenngleich historisch betrachtet viel Schindluder im Namen von Kirche oder Religion betrieben worden ist, eine vergleichsweise humane ist. – Das gilt insbesondere für den Protestantismus.
Daneben gibt es immer wieder Gelegenheiten, für Vorhaben, die schlicht „zu kurz“ kommen oder ohne eine initiative Unterstützung angesichts knapper Kassen nicht stattfinden könnten. Es geht wohlgemerkt nicht darum Leistungen die üblicherweise aus dem Kirchenhaushalt bestritten werden zu substituieren. Das ist in der Stiftungssatzung auch dezidiert beim Zweck entsprechend geregelt worden. Es soll immer eine Ergänzung besser gesagt ein „Mehr“ sein als das was eben allgemein üblich ist.
3. Was bedeutet Ihnen persönlich das Wirken Ihrer Stiftung in der Gesellschaft?
Durch die Wahl der Rechtsform als Stiftung ist die Unabhängigkeit von meiner Person gewährleistet. Und durch die Kapitalausstattung ist gewährleistet, dass die Unterstützung langfristig nicht von der Leistungsfähigkeit einer Einzelperson oder Familie abhängig ist. D.h. die Wirkung ist institutionalisiert. Meine Familie hat die Evangelische Berggemeinde zurückliegend alle Jahre wieder durch Spenden unterstützt. Aber das war natürlich nur möglich, weil sie das wirtschaftlich jedes Mal aufs Neue leisten konnte.
Der Vorteil der Stiftung ist, dass die langfristige Leistungsfähigkeit durch den einmal gestifteten Kapitalstock anschließend dauerhaft gewährleistet ist. Daneben ist es auch gleichgültig, ob ich oder nachfolgend ein Mitglied meiner Familie in Schlierbach ansässig ist.
Es ging mir eben genau darum, ursprünglich der Berggemeinde jetzt der Matthäusgemeinde eine unabhängige dauerhafte Quelle zur Unterstützung jeweils förderungswürdiger Maßnahmen oder Vorhaben aus den Erträgen eines Kapitalstocks zur Verfügung zu stellen.
Welche Wirkung die Stiftung daneben konkret zeitigt, ist nicht mehr in meiner Hand, sondern ist abhängig von den hoffentlich weisen Entscheidungen des Stiftungsvorstands darüber, welche einzelnen Vorhaben sie unterstützen wird und damit Zustimmung der Gemeinde und der allgemeinen Öffentlichkeit findet, - sprich Gutes bewirkt wird und dadurch ggf. Nachahmung findet.
Und ob es ihr gelingt die laufende Unterstützung gegebenenfalls auszuweiten, indem sie in vorbeschriebenen Sinne Nachahmer findet, d.h. Spenden oder Zustiftungen einwerben kann. Wobei dem Zweck der Stiftung weitere Zustiftungen mehr entsprechen als Spenden, da Spenden ihrem Wesen nach eben keine, in oben genannten Sinne dauerhafte Prägung besitzen, denn sie fließen nicht dem Kapitalstock zu.
Der Stiftungsvorstand hat gerade in seiner letzten Sitzung im vergangenen Dezember (2024) beschlossen, sich der Einwerbung und insbesondere der Information über die Möglichkeit von Zustiftungen in den nächsten Jahren verstärkt zuzuwenden. Dazu soll die Gemeinde und die Öffentlichkeit über die Leistungen der Stiftung in der Vergangenheit intensiver informiert werden, als das zurückliegend der Fall gewesen ist.
4. Wie kam es zur Gründung der Stiftung 2007?
Das hat sich eigentlich spontan und zufällig ergeben. Das Jahr 2006 war ein für mich wirtschaftlich sehr erfolgreiches. Ich hatte mir vorgenommen meiner Dankbarkeit darüber durch eine Spende zu einem wohltätigen Zweck Ausdruck zu verleihen. Hatte aber keine konkrete Idee, wie ich das am besten und vor allen Dingen zu welchem Zweck tun könnte.
Wenige Zeit später rief mich Herr Pfarrer Günther an und erklärte mir, dass die Berggemeinde eine größere nachhaltige finanzielle Unterstützung suche, um ihre Selbstständigkeit wahren zu können, da sonst eine Fusion mit der Altstadt „drohe“. Wir haben uns wenig später getroffen und dann war die Idee eine Stiftung zur Förderung der Berggemeinde zu gründen geboren.
In früheren Zeiten hätte man vermutlich gesagt, das sei Gott gewollt……
In jedem Fall eine Koinzidenz oder ein glücklicher Zufall.
Anlässlich der Verleihung des Evangelischen Stifter*innen Preises 2022 an Dr. Eckart von Hirschhausen mit seinen Stiftungen "Humor Hilft Heilen" und
"Gesunde Erde - Gesunde Menschen". Im Rahmen des Forums für Engagierte und Stifter*innen der Evangelischen Landeskirche in Baden.
Sehen Sie die gesamte Veranstaltung auf youtube. Wir freuen uns über Kommentare und Rückmeldungen.
Eindrücke vom 23. September 2021:
Das Forum für Engagierte und Stifter*innen der Stiftungen von Kirche und Diakonie in Baden fand in diesem Jahr wieder statt – aber anders. Hier finden Sie Videos und Fotos vom digitalen Forum 2021.
Hier sehen Sie die Videos der Preisträger des Evangelischen Stiftungspreises 2021.
Impulsvortrag „Von jedem, den sein Herz treibt…“ - Spenden und Stiften in Jüdischer Tradition [und Gegenwart] von Rabbiner Julian-Chaim Soussan (Jüdische Gemeinde Frankfurt am Main) am 23.09.2021 in Mannheim:
Moderator und Vorstand der Stiftung der Evangelischen Landeskirche in Baden, Dr. Torsten Sternberg und Rabbiner Julian-Chaim Soussan.
Dank moderner Technik konnte das Stiftungsforum in diesem Jahr wieder stattfinden.
In den Workshops kamen die Teilnehmenden vor Ort und zu Hause zusammen.
Austausch und Begegnungen sind auch in der hybriden Form wichtige Elemente des Forums. Hier v.l.n.r.: Ingo Strugalla, Stiftung Schönau, Ehepaar Welker und Dr. Karl Schneider im Gespräch.
Bernd Konheisner, Vertreter der Evangelischen Bank und Dr. Torsten Sternberg.
Bernd Beyer und Volker Erbacher.
Dr. Martin Kares, Ingo Strugalla und Christine Flicker.
Dr. Karl Schneider, Kirsten Korte, Renate Schneider.
Eindrücke vom 26. September 2019:
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